Deutsche Sprache, Schöne Sprache: Thomas Mann schriebt schöner als Karl Theodor zu Guttenberg

In der Schule habe ich oft gesagt bekommen: "Mach keine Bandwurdmsätze!", weil ich im Aufsatz gerne lange Sätze bildete, Nebensatz an Nebensatz aneinandereihend, einfach weil es so schön ist. Es ist doch gerade der ewig nicht endende Satz, der Deutsch zu so einer schönen Sprache macht. Hier ein Beispiel von Thomas Mann:
Thomas Mann

 An den Peripherien der Großstädte, dort, wo die Laternen spärlicher werden und die Gendarmen zu zweien gehen, muss man in den Häusern emporsteigen, bis es nicht weiter geht, bis in schräge Dachkammern, wo junge, bleiche Genies, Verbrecher des Traumes, mit verschränkten Armen vor sich hinbrüten, bis in billig und bedeutungsvoll geschmückte Ateliers, wo einsame, empörte und von innen verzehrte Künstler, hungrig und stolz, im Zigarrenqualm mit letzten und wüsten Idealen ringen.

Toll. Doch nun zum eigentlichen Thema, nämlich dem Anti-Satz, der zwar komplex aber nicht schön ist. Meiner Meinung nach ist ex-Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg ein gutes schlechtes Beispiel für jemanden, der zu viel schwülstig-aufgedunsene Sprache verwendet. Man muss sich nur einmal seine Rücktrittsrede anhören, wie er sich als Opfer der Medienhetze dazustellen versucht und immer noch nicht dem Mut hat zuzugeben, dass er gemogelt hat.

Ein anderes Beispiel aus seiner Patchwork-Doktorarbeit  „Verfassung und Verfassungsvertrag“:

Was also bereits im alten Testament im Buch Esther und beim Propheten Daniel angesichts der kaum intendierten Auswirkungen unabänderlicher Gesetze von Medern und Persern angedeutet worden war, was schon Plutarch bezüglich des schnellen Wandels der ursprünglich für hundert Jahre niedergelegten Gesetze Solons festgehalten hatte und was schließlich Zeitgenossen der amerikanischen Verfassungsväter in philosophischen und politischen Schriften forderten – die Liaison von Tradition und Moderne, die Verbindung eines erhaltenden mit einem wandlungsfähigen Element – fand mit der Möglichkeit der Verfassungsergänzung mittels Amendments in Art. V der Verfassung von 1787 erstmalig Einzug in eine Rechtsordnung.

Karl Theodor zu GuttenbergDer Spiegel meint in seiner Titelgeschichte vom 21.02.2011 zur Guttenberg Affäre, dass gerade diese Passage ausnahmsweise nicht abgeschrieben ist: „Für solch bildungshuberische Erörterungen lassen sich bislang keine Vorlagen finden“ (Wieder n Wort jelernt „bildungshuberisch“).

Es mag abstrus klingen, aber auch dieser Satz ist  geklaut. Ein Blick in das GuttenPlag Wiki (http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/Seite_223-224) zeigt: diese Stelle ist sinngleich übersetzt worden aus einem englischen Text von John R. Vile:

From the Bible's accounts in Ester and Daniel of the sometimes unintended effects of the unchangeable laws of the Medes and Persians, through Plutarch's record of the relatively quick change in laws designed by Solon to remain permanent for one-hundred years, and on through philosophical and political writings contemporary with the American Founding Fathers, numerous thinkers had demonstrated the need for balancing legal stability against an almost equally desirable need for change. While this notion was thus hardly indigenous to the New World, the American Founders, with their penchant for practical politics over abstract reason, were the first to formulate a workable mechanism by which such changes could be peacefully effected within the nation's constitution itself.

zu Guttenberg mit neuem LookNaja, immerhin hat sich hier jemand die Mühe gemacht etwas zu übersetzen. Und die Moral von der Geschicht ? Mehr als ein halbes Jahr nach seinem Rücktritt habe ich noch Freude an der Plagiatsaffäre des KT zu Guttenberg, der irgendwie aus versehen-extra seine Doktorabreit zusammen gecopied und pasted hat.

Diese Schadenfreude ist vorübergehend, ich betone vorübergehend, denn er ist ja schon dabei ein Comebak in die Wege zu leiten, ohne Brille und mit neuer Frisur (da hat ihm wohl endlich jemand gesagt, dass sein Öl-Helm uncool ist), was ihn überraschend stark verändert. Ein bisschen zugenommen hat er auch und schaut irgendwie aus wie eine Mischung aus Lothar Matthäus und Guido Westerwelle. Na ob das ein gutes Zeichen ist?

P.S. Hier noch einmal wie KT z G versucht, dem Bundestag zu verklickern, er habe nicht vorsätzlich "einige Fehler" in seiner Arbeit gemacht. Nach dem Motto: Hauptsache  selbstbewusst auftreten, dann glaubt dir jeder alles:

2 Kommentare:

Impressum |Autor werden |Wo bin ich?
Schließen