Es tönt der Freiherr aus den Nordamerika, mit neuer Frisur und ohne Brille aber mit dem altem Selbstbewusstsein.

Schreck am frühen Morgen: Die BLÖD-Zeitung schreibt: "Überfordert! Dumm! Eitel! Guttenberg rechnet mit sich selbst ab." Dazu ein Bild von Karl-Theodor im neuen Lothar-Matthäus-Look, mit zerknirscht-reuigem, zutiefst aufrichtigem Dackelblick, dass einem das Herz schmilzt! Wie kann man so einem rechtschaffenden, gutaussehenden und wohlfrisiertem Mann ernsthaft etwas vorwerfen!

Bild-Zeitung über zu Guttenberg (Da hat wohl jemand den Ölgemäldefilter bei Photoshop benutzt)

Die BILD und zu Guttenberg, das ist wie Fußpilz und Hühneraugen: Jeder für sich schon schlimm genug aber ganz und gar fürchterlich, wenn sie in Kombination auftreten.

Das Problem ist nämlich, Guttenberg rechnet eben NICHT mit sich ab! Die Schlagzeile hätte eigentlich heißen so sollen: Pinocchio zu Guttenberg lügt weiter! Freiherr bleibt bei der Geschichte, die ihm schon vorher keiner geglaubt hat!

Nämlich die mitleiderregende Saga, ihm seien beim Verfassen der Arbeit, zwischen Beruf, Familie und Frisör,  fürchterliche "Fehler" unterlaufen, er sei schlecht organisiert gewesen, überfordert und habe eine "Dummheit" begangen. Aber nicht absichtlich. Ganz aus Versehen.

Jeder, der selbst schon einmal einen Text mit mehr als vier Seiten geschrieben hat, weiß, dass das einfach nicht geht! Die ganze Einleitung Wort für Wort kopiert und dann was? Vergessen den Dummy-Text wieder rauszunehmen? Vergessen die Fußnote zu setzen? Für über 100 Quellen? Upps?

Dabei passt zu Guttenberg so gut in das visuelle Wunschbild-Klischee vom guten Politiker, dass er jederzeit Absolution erlangen könnte, wenn er einfach gesteht: "Ich habe absichtlich viele Texte kopiert und hatte im Februar nicht die Eier das zuzugeben, tut mit leid, ok?". Dass er das nicht tut, kann ich mir nur damit erklären, dass er zwar gescheit daher reden kann, aber ansonsten vielleicht nicht so schlau ist.

Guttenberg rechnet Angela Merkel ab

Was die BLÖD-Zeitung nicht erwähnt, ist, dass KT z G zuvor den Staatschefs der EU Versagen bei der Euro-Krise vorwirft (Süddeutsche Zeitung: Schelte für Europas Mächtige -  Herr zu Guttenberg schimpft auf die Politik), es fehle Kreativität und "Wir stolpern von einer Ad-hoc-Lösung in die nächste".

Ist klar, wenn der Karl-Theo das Sagen hätte, wäre das Ganze anderes gelaufen. Er hätte zunächst die Forderungen der BILD-Zeitung umgesetzt, wie damals beim Gorch-Fock Skandal (die sind dem Volk leichter zu vermitteln als dieses ganze komplizierte Geschwätz). Er hätte:

  • die Pleite-Griechen gezwungen ihre Inseln zu verkaufen
  • den Pleite-Griechen den Euro weggenommen
  • die Griechen offiziell zu  "Pleite-Griechen" umbenannt

Danach hätte er auf gewohnt entscheidungsfreudige Weise personelle Konsequenzen gezogen:

  • Angela Merkel? Zu wenig Kreativität! GEFEUERT!
  • Sarkozy? zu klein! GEFEUERT!
  • Seehofer? GEFEUERT! Warum? Wurscht!

Guttenberg rechnet Horst Seehofer ab

Auch über seine Partei, die CSU, lästert Karl-Theo aus der Ferne. Die Süddeutsche Zeitung fasst zusammen:

Die CSU sei wie andere Parteien auch "von einer Infektion befallen", es hätten sich in seiner Partei "schon viele Spinnweben gebildet", sagt Guttenberg in einem Interview mit der Zeit.

Gewohnt aufgedunsenes Geschwätz (Wortgirlanden, meint Horst Seehofer) aber ein bisschen gemein, wenn man bedenkt, dass der Seehofer den Gutti vorher nett zurück eingeladen hatte in die deutsche Politik: "Er gehört zu uns, wir wollen ihn". Wobei Seehofer leicht zu beleidigen ist, sich so etwas nicht gefallen lässt und gleich zurück seehoferte:

"Die Parteienkritik von Karl-Theodor zu Guttenberg liegt völlig daneben...und ich bitte den Karl-Theodor, diese bekannten Wortgirlanden zu beenden und einfach Rücksicht zu nehmen auf die vielen Tausenden, die in deutschen Parteien sich täglich, und manche davon rund um die Uhr, engagieren für die Zukunft unseres Landes."

...
Nach eingestelltem Guttenberg-Verfahren: Seehofer: „Er gehört zu uns, wir wollen ihn“ - weiter lesen auf FOCUS Online: http://www.focus.de/politik/deutschland/nach-eingestelltem-guttenberg-verfahren-seehofer-er-gehoert-zu-uns-wir-wollen-ihn_aid_687140.html"

Recht hat er, der Horsti!

Ansonsten: Ein herrliches Kasperletheater:


Kasperletheater #1

Kasperletheater #2

Kasperletheater #3

Zu Guttenberg meinte am Rande seiner Kritik an Europas Führungskräften, es sein "herrlich, aus der US-Perspektive auf Europa zu schauen". Ich muss sagen: Es ist umgekehrt nicht herrlich aus der Europa-Perspektive auf zu Guttenberg in den USA zu schauen.

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